Ein Nutzer hat 16+ Projekte mit KI-Tools gestartet und zieht ein ernüchterndes Fazit: Das Abo kündigen könnte die bessere Lösung sein.
Heute leicht reduzierte Ausgabe.
Ein Blogbeitrag ueber abgebrochene Nebenprojekte trifft einen Nerv - und stellt die Frage, wem KI-Abos eigentlich nuetzen.
Es ist eine kleine Geschichte, aber sie beschreibt ein Gefuehl, das viele kennen, die in den vergangenen Monaten ein KI-Abo abgeschlossen haben: Der Helfer wird zum Zeitfresser. Der Entwickler David Wilson hat in einem persoenlichen Blogeintrag erklaert, warum er ueberlegt, sein KI-Abo zu kuendigen. Sein Argument ist nicht, dass die Technik schlecht waere - sondern dass sie ihn zu Dingen verleitet, die er gar nicht tun wollte. Der Beitrag wurde vom bekannten Entwickler-Blogger Simon Willison aufgegriffen, der ihn als sehr nachvollziehbar bezeichnet.
Konkret beschreibt Wilson laut der Zusammenfassung von Willison eine Liste von mehr als 16 Projekten, die er mit KI-Werkzeugen begonnen hat. Der typische Ablauf: Er bittet Claude, den KI-Assistenten der Firma Anthropic, um ein schnelles Skript fuer eine bestimmte Aufgabe. Eine Stunde spaeter ist das Ergebnis weder ein schnelles Skript noch das, was er urspruenglich wollte. Wilson schreibt selbst, er habe die meisten dieser Dinge gar nicht bauen wollen. Die KI macht das Anfangen so leicht, dass das Aufhoeren schwer wird. Veroeffentlicht wurde der Text am 31. Mai, aufgegriffen am selben Tag von Willison auf seinem Blog.
Die Beobachtung ist deshalb relevant, weil sie eine Lesart der KI-Welle umdreht, die sonst meist nur in Produktivitaetsversprechen erzaehlt wird. Anbieter wie Anthropic, OpenAI oder Google preisen ihre Abos damit an, dass Nutzer Zeit sparen und mehr schaffen. Wilsons Erfahrung legt das Gegenteil nahe: Die niedrige Einstiegshuerde fuehrt zu mehr angefangenen, aber nicht abgeschlossenen Projekten. Fuer Solo-Entwickler und kleine Teams, die die zahlende Kernzielgruppe dieser Tools sind, ist das ein unbequemer Befund. Dass ausgerechnet Simon Willison - selbst ein lautstarker Befuerworter generativer KI in der Softwareentwicklung - den Text teilt und sich mit ihm identifiziert, gibt der Diskussion zusaetzliches Gewicht. Es ist keine Kritik von aussen, sondern von jemandem, der mittendrin steht.
Offen bleibt vieles. Im Material ist nicht belegt, ob Wilson sein Abo tatsaechlich gekuendigt hat oder nur darueber nachdenkt - der Titel formuliert es als Moeglichkeit. Auch ist unklar, wie repraesentativ seine Erfahrung ist: 16 angefangene Projekte koennen auf eine Schwaeche der Werkzeuge hindeuten, aber auch auf eine persoenliche Arbeitsweise, die mit oder ohne KI zur Zerstreuung neigt. Welche der genannten Projekte abgeschlossen wurden und welche nicht, geht aus der Zusammenfassung nicht klar hervor. Und ob das Phaenomen bei anderen KI-Assistenten - etwa GitHub Copilot oder ChatGPT - aehnlich auftritt oder Claude-spezifisch ist, bleibt im Material ebenfalls offen.
Beobachten laesst sich in den naechsten Wochen, ob diese Art der nuechternen Selbstkritik haeufiger wird. Bisher dominieren in der Berichterstattung ueber KI-Coding-Tools entweder Begeisterung oder Grundsatzkritik. Stimmen wie die von Wilson, die mittendrin stehen und die Werkzeuge weiter nutzen wollen, aber ihre Wirkung auf das eigene Arbeitsverhalten hinterfragen, koennten der ehrlichere Massstab werden, an dem sich der reale Nutzen dieser Abos misst.
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